Aktuelles:

 

Pressemitteilung

 

Sexualisierte Gewalt als medizinischer Notfall

Start des Modellprojekts zu gesundheitlicher Versorgung nach einer Vergewaltigung am Klinikum Worms

 

WORMS. Frauen, die Opfer einer Vergewaltigung werden, bleiben meist medizinisch unterversorgt weil sie sich schämen oder befürchten, dass über ihren Kopf hinweg Anzeige erstattet wird. Dadurch bleiben Sie allein mit der Sorge um ihre Gesundheit und finden erst spät den Weg zu Fachberatungsstellen, die sie dabei unterstützen, ihre Situation zu klären und mit dem Erlebten umzugehen.

 

Das Modellprojekt „Medizinische Soforthilfe nach Vergewaltigung“, das heute in Worms startet, möchte diese Situation verändern und hat sich zum Ziel gesetzt allen Opfern einer Vergewaltigung Zugang zur bestmöglichen medizinischen Versorgung zu gewähren – unabhängig von der Bereitschaft Anzeige zu erstatten.

 

Gemeinsam mit dem Klinikum Worms hat der Frauennotruf Worms als Trägerin des Projekts ein Konzept übernommen, das der Frauennotruf Frankfurt mit vielen KooperationspartnerInnen in und außerhalb Frankfurts  2013 entwickelt hat. Finanziert wird das Vorhaben vor allem vom rheinland-pfälzischen Ministerium für Familien, Frauen, Jugend, Integration und Verbraucherschutz, das Worms neben Mainz als einen von zwei Modellstandorten in Rheinland-Pfalz ausgewählt hat.

 

„Menschen, die eine Vergewaltigung erlebt haben, sind nicht nur Zeugen einer Straftat, sondern in erster Linie Patientinnen und Patienten. Als Klinikum ist es daher unsere gesellschaftliche Verantwortung, die Betroffenen adäquat medizinisch zu versorgen. Dabei kann ein standardisiertes Verfahren nur helfen“, erklärt Prof. Dr. Thomas Hitschold, Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe des Klinikums, die Motivation sich an dem Projekt zu beteiligen.

 

„Die meisten Frauen, denen sexuelle Gewalt angetan wurde, haben unmittelbar nach dem Ereignis aufgrund der emotional belastenden Situation das Bedürfnis nach einer zuverlässigen Anlaufstelle, bei der sie sowohl medizinische Hilfe als auch Kontaktinformationen für die Weiterbetreuung erhalten. Das Projekt bietet durch den Zugriff auf umfassendes Informations- und Untersuchungsmaterialien auch uns Ärzten und Ärztinnen Hilfestellung, diese Frauen umfassend versorgen zu können", erläutert Frau Dr. Angelika Matich, projektverantwortliche Oberärztin der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe, weiter.

 

„Betroffene können sich nach einer Vergewaltigung an das örtliche Klinikum wenden, werden dort medizinisch versorgt und bekommen Informationen zu Unterstützungs- und Beratungsangeboten. Erst im zweiten Schritt wird mit den Frauen geklärt, ob sie an einer Spurensicherung interessiert sind. Willigt die Patientin ein, werden die gesicherten Spuren ins Institut für Rechtsmedizin gebracht und dort für ein Jahr gelagert, um im Fall einer Anzeigenerstattung verwendet werden zu können“, ergänzt Regina Mayer vom Frauennotruf Worms das Prozedere.

 

Neben entsprechenden Schulungen und Sensibilisierungsmaßnahmen für Ärztinnen und Ärzte geht es nun vor allem darum das Angebot bekannt zu machen, um möglichst viele Betroffene zu erreichen.

 

„Durch Öffentlichkeitsarbeit, die Auslage von Materialien bei Beratungsstellen, niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten und bei weiteren öffentlichen Stellen und die Plakatierung von Werbeflächen möchten wir zukünftig auf die Möglichkeit medizinischer Versorgung hinweisen und damit vor allem die Frauen ansprechen, die eine Anzeigenerstattung scheuen oder sich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht abschließend entscheiden möchten“, erklärt Jasmine Olbort, die als Gleichstellungsbeauftragte das Projekt ebenfalls begleitet.

 

Notwendig für den Erfolg des Projektes sei ein breites gesellschaftliches Bündnis, hier sind sich alle Beteiligten einig. „Bei der bisherigen guten Netzwerkarbeit, die im Bereich Gewalt gegen Frauen in Worms geleistet wurde, bin ich allerdings zuversichtlich, dass wir viele Menschen erreichen und so langfristig die Strukturen für von sexualisierter gewaltbetroffene Frauen verbessern werden“, ist sich Regina Mayer sicher.

 

Pressemitteilung

 

LAG Frauennotrufe RLP und bff: #MeToo – Zeit, Verantwortung zu übernehmen
Für ein strukturiertes Vorgehen gegen Sexuelle Gewalt am Arbeitsplatz

 

Gemeinsam mit dem Bundesverband der Frauennotrufe und Frauenberatungsstellen (bff) macht die Landesarbeitsgemeinschaft LAG der Frauennotrufe in Rheinland Pfalz deutlich: „Öffentlichkeit ist wichtig, wenn es darum geht sexuelle Gewalt gegen Frauen und Mädchen zu thematisieren. Immer noch werden die Gewalt und ihre Folgen verschwiegen oder bagatellisiert, werden Täter gedeckt. #MeToo schafft noch immer Aufmerksamkeit für die sexuellen Übergriffe und Gewalt, die viele Frauen erfahren. Wir als Fachverband freuen uns über diese mediale Präsenz des Themas. Das Ausmaß der Gewalt und die Machtdynamiken dahinter sind nicht neu. Aber die öffentliche Debatte darüber ist es,“ so Katja Grieger, Leiterin des bff.
Laut Studien erleben 60% aller Frauen in Deutschland sexuelle Belästigung, viele davon am Arbeitsplatz. Anette Diehl weiß aus der langjährigen Praxis: „Führungskräfte haben eine Schlüsselrolle beim Thema sexuelle Diskriminierung und Belästigung am Arbeitsplatz. Es braucht eine klare Haltung der Unternehmensleitung hierzu. Insbesondere Vorgesetzte müssen Verantwortung übernehmen.“ Gleichzeitig braucht es eine gute Vorgehensweise, wie bei Vorfällen sexueller Belästigung gehandelt wird und ganz wichtig, so Diehl: „Die muss für alle transparent sein!“ Das Allegmeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) schreibt zusätzlich präventive Maßnahmen und Beschwerdestellen mit geschulten Ansprechpersonen vor. Betroffene müssen wissen, wo sie professionelle Unterstützung finden.
Zurzeit gibt es viele Anfragen zu Fortbildungen im Bereich „Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz“ an die zwölf Fachstellen zum Thema Sexualisierte Gewalt in Rheinland Pfalz. „Das freut uns, weil es zeigt, dass Verwaltungen, Betriebe, Geschäftsführungen endlich Verantwortung übernehmen wollen,“ so die Mitarbeiterinnen der Frauennotrufe.
Das Thema gehört auch auf die politische Agenda. Damit klargestellt wird, dass der Schutz vor sexueller Gewalt am Arbeitsplatz keine freiwillige Leistung, sondern Pflicht der Arbeitgeber_innen ist, und damit die notwendigen Ressourcen bereitgestellt werden. „Das AGG muss endlich umgesetzt werden. Politische Haltung ist auch gefragt, damit das Thema sexuelle Gewalt nicht von rechts vereinnahmt und für eine rassistische Agenda genutzt wird,“ betonen die Fachfrauen.
Katja Grieger vom bff: „Wir wünschen uns, dass es ein Ergebnis der #MeToo-Debatte ist, dass möglichst Viele Verantwortung übernehmen und sich strukturiert auf den Weg machen, gegen Gewalt am Arbeitsplatz vorzugehen. Das Thema auf diese Weise anzugehen ist zwar nicht so schillernd wie die öffentliche Debatte es in Teilen ist. Aber es ist hilfreich.“
Für die LAG: Anette Diehl, Frauennotruf Mainz e.V. - Fachstelle zum Thema Sexualisierte Gewalt
Koordinierungsstelle der Landesarbeitsgemeinschaft (LAG)

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„Papiertiger oder Löwenmutter - Rheinland-Pfälzische Frauennotrufe diskutieren über Chancen der Istanbul-Konvention


Anlässlich ihres Fachtages zur Istanbul-Konvention begrüßen die Frauennotrufe in Rheinland-Pfalz das Übereinkommens des Europarats zur Verhütung und zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häusliche Gewalt und die darin geforderte verstärkte Bekämpfung und Prävention sexualisierter sowie anderer Formen geschlechtsspezifischer Gewalt.
„Für uns ist die Istanbul-Konvention ein Meilenstein zur Bekämpfung sexualisierter Gewalt und ande-rer Formen geschlechtsspezifischer Gewalt: Mit diesem umfassenden, internationalen Abkommen wird Gewalt gegen Frauen – insbesondere auch sexualisierte Gewalt und sexuelle Belästigung - als das anerkannt, was es ist: eine Form von Menschenrechtsverletzung und Diskriminierung“ erläutert Astrid Rund vom Frauennotruf im Rhein-Hunsrück-Kreis.
Die in der vergangenen Woche in Kraft getretene Konvention verlangt eine aktive Politik gegen
Diskriminierung von Frauen, um geschlechtsspezifische Gewalt zu bekämpfen und schreibt u.a. in Artikel 22 fest, dass es für alle Betroffenen von geschlechtsspezifischer Gewalt spezialisierte Hilfen geben muss, die gut erreichbar und mit angemessenen Ressourcen ausgestattet sind.
Dazu gehören die spezialisierten Fachberatungsstellen für gewaltbetroffene Frauen und Mädchen.
Als Dachverband sieht auch der Bundesverband der Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe (bff) hier großen Handlungsbedarf. Vor allem im ländlichen Raum fehlen Fachberatungsstellen, an die Betroffene sich wenden können. Viele Fachberatungsstellen sind nicht barrierefrei und sie müssen ihre Sprechzeiten beschränken. Die Finanzierung der Fachberatungsstellen wird meist im Rahmen nicht abgesicherter sogenannter ‚freiwilliger Leistungen‘ von Ländern und Kommunen gestellt, die stetig neu beantragt werden müssen.
„Die Anfragen an die Fachberatungsstellen nehmen kontinuierlich zu – von Betroffenen, Fachkräften oder Angehörigen. Das spricht für den Erfolg unserer Arbeit, bringt uns aber in schwierige Situatio-nen. Jetzt, da die Istanbul-Konvention geltendes Recht ist, muss mehr Geld ins System.“, so Katja Grieger vom bff.
Die Landesarbeitsgemeinschaft der Frauennotrufe in Rheinland-Pfalz hält zusammen mit dem Bun-desverband für die Umsetzung der Konvention eine politische Gesamtstrategie für zentral, denn die Beendigung geschlechtsspezifischer Gewalt ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.
Aus diesem Grund widmete das Gremium der zwölf Fachstellen in Rheinland Pfalz seinen Fachtag diesem Thema gemeinsam mit der Expertin des Europarates Karin Heisecke.
„Wir müssen auf Bundes- und Landesebene Strategien entwickeln und umsetzen, sowie auch die kommunale Ebene einbeziehen.

Nur so können wir dafür sorgen, dass die Konvention kein Papiertiger bleibt, sondern zum Schutz für gewaltbetroffene Frauen weltweit zur „Löwenmutter“ wird“,

sind sich die rheinland-pfälzischen Fachfrauen einig. „In der Bekämpfung geschlechtsspezifischer Gewalt darf es jetzt keine Rückschritte mehr geben, aber auch ein „Weiter so“ reicht nicht aus!“

 

 

 

 

 

Pressemitteilung


Sicher feiern - Frauennotruf Worms warnt vor K.O.-Tropfen beim Fasching

 

Die fünfte Jahreszeit wird auch in Worms mit tollen Kostümen und stimmungsvoller Karnelvalsmusik gefeiert. Bei dem bunten Faschingstreiben wird das ein oder andere Gläschen in geselliger Runde getrunken, die dazu verleitet, nicht auf das eigene Getränk zu achten. Diese entspannte Atmosphäre wird immer wieder ausgenutzt, um K.O.-Tropfen in Getränke zu mischen.

 

Sogenannte K.O.-Tropfen sind unterschiedliche farb, geruchs- und geschmacklose Flüssigkeiten, die auch auf Festen oder Partys leicht in Getränke gemischt werden können, ohne dass die Betroffenen dies merken. Die Substanzen wirken einschläfernd und muskelentspannend, aber auch euphorisierend. Ihre Wirkung tritt rasch ein und hält einige Stunden an. Die Mittel werden immer häufiger eingesetzt, um Frauen in einen willenlosen und handlungsunfähigen Zustand zu versetzen, in dem sie vergewaltigt oder ausgeraubt werden. Am nächsten Tag können sich Opfer meist schlecht erinnern und sind stark verunsichert, was mit ihnen geschehen ist. Sie leiden unter Kopfschmerzen, Schwindel und Übelkeit.

 

„Wer trotz geringer Alkoholmengen bei sich einen „Filmriss“ bemerkt, kann sich an den Frauennotruf als Fachberatungsstelle wenden,“ erklärt Regina Mayer vom Frauennotruf, „zwar sind viele Substanzen nur kurze Zeit nachweisbar, aber auch längere Zeit nach dem Vorfall kann eine Beratungsgespräch sehr hilfreich für die Verarbeitung sein.

 

„Natürlich soll beim Fasching gefeiert und gelacht werden,“ betonen die Mitarbeiterinnen des Frauennotrufs Worms. „Dennoch ist es gut nicht nur auf das eigene Glas, sondern auch auf Freundinnen und Freude zu achten. Kümmern Sie sich um Freundinnen und Freunde, wenn diese sich plötzlich merkwürdig verhalten oder (anscheinend) zuviel getrunken haben. “
Die Fachstelle hatte schon mehrfach mit Postkarten und Flyern auf die Gefahr von K.O.Tropfen> aufmerksam gemacht. Bei Interesse können Faschingsveranstalter gerne Informationsmaterial anfordern.

 

Verantwortlich für die Pressemitteilung
Annette Hölter

 

http://frauenzentrumworms.de/index.php?id=ko-tropfen