Aktuelles:

 

 

Busse werben für Medizinische Soforthilfe nach Vergewaltigung

 

Bis zum kommenden Januar machen zwei Busse im Wormser Stadtgebiet auf die Möglichkeit einer vertraulichen medizinischen Versorgung nach einer Vergewaltigung im Krankenhaus aufmerksam. Die Busse fahren mit einem Anzeigemotiv der Initiative "Medizinische Soforthilfe nach Vergewaltigung" durch die Innenstadt.

 

Nach einem sexualisierten Angriff wollen viele Frauen nur eines: die Abklärung ihrer gesundheitlichen Fragen. Anzeige bei der Polizei zu erstatten ist häufig nicht das erste Anliegen. Zu tief sitzt der Schock des Erlebten, zu groß ist der Wunsch, sich die Spuren der Tat vom Körper zu waschen. Darüber hinaus erwarten viele Frauen, dass ihnen auch von ihrem Umfeld eine Mitschuld an dem Angriff unterstellt wird und rechnen mit wenig Verständnis für ihre Situation. Auch Schamgefühle lassen sie zögern, eine Anzeige zu erstatten.

 

„Somit hat eine angemessene medizinische Versorgung oberste Priorität. Sie sollte möglichst zeitnah erfolgen. Die betroffenen Frauen haben nach einem solchen Angriff ein Recht auf Versorgung von Verletzungen und auf Antworten zu ihren Gesundheitsfragen, z. B. ob sie Medikamente benötigen“, weiß Regina Mayer von der Notruf- und Beratungsstelle – Fachstelle gegen sexualisierte Gewalt in Worms. „Wenn eine medizinische Untersuchung unkompliziert und ohne Sorge, dass die Polizei involviert wird, in einem Krankenhaus durchgeführt werden kann, nimmt dies enormen Druck aus der Situation und gibt den Frauen das Gefühl, die Kontrolle über sich und ihren Körper wiederzugewinnen.“

 

Das Angebot der „Soforthilfe nach Vergewaltigung“ stellt die Gesundheit der Frauen mit der notwendigen medizinischen Versorgung in den Vordergrund. Zudem erhalten die Frauen im Gespräch mit den behandelnden Ärztinnen Hilfestellungen für ein weiteres Vorgehen. Dies ist immer das Angebot einer vertraulichen Spurensicherung, die dann auf Wunsch der Betroffenen erfolgt. „Im Wormser Klinikum erhalten die Frauen die Möglichkeit, Spuren der Tat durch die behandelnde Ärztin professionell sichern zu lassen, sodass diese zu einem späteren Zeitpunkt gerichtsverwertbar sind. ÄrztInnen und Klinikpersonal wurden speziell für diese Anforderungen geschult“, erläutert Regina Mayer weiter.

 

Obwohl das Interesse daran, dass Frauen im Nachhinein Anzeige erstatten, groß ist, werden die Frauen im Rahmen der Untersuchung nicht dazu gedrängt oder beeinflusst. Durch das Angebot der professionellen Spurensicherung und der Möglichkeit der sicheren Aufbewahrung in einem rechtsmedizinischen Institut, können die Frauen die Tat noch zu einem späteren Zeitpunkt – oder nie – zur Anzeige bringen. Die Entscheidung dafür liegt einzig und allein bei den Frauen. ÄrztInnen und Klinikpersonal unterliegen der ärztlichen Schweigepflicht. Wird kein Strafverfahren angestrebt, wird das in der Rechtsmedizin verwahrte Material nach zwölf Monaten vernichtet.

 

Damit möglichst viele BürgerInnen von der Möglichkeit der medizinischen Soforthilfe nach Vergewaltigung erfahren, wird das Modell neben anderen Öffentlichkeitsmaßnahmen nun durch die Buswerbung bekannt gemacht.

 

Weitere Auskünfte zum Projekt der medizinischen Soforthilfe nach Vergewaltigung erteilt gerne: Notruf- und Beratungsstelle – Fachstelle gegen sexualisierte Gewalt, Lutherring 21, 67547 Worms. Telefon: 06241 / 6094. E-Mail: notruf@frauenzentrumworms.de

 

Viele wichtige Informationen sind auf www.soforthilfe-nach-vergewaltigung.de zu finden, unter anderem die Adressen der angeschlossenen Kliniken und ein Handlungsleitfaden, der Orientierung zu den wichtigsten Schritten bietet.

 

 

Nein heißt Nein! - Paradigmenwechsel oder Papiertiger?

 

Eine Zwischenbilanz zur Reform des Sexualstrafrechts


Fachtagung des Landesarbeitsgemeinschaft der Frauennotrufe Rheinland-Pfalz


Wann:
18. Oktober 2018 von 13.30 Uhr — 17.00 Uhr


Wo:
im Landesmuseum Mainz


Große Bleiche 49 - 51
55116 Mainz

Nach langem Ringen ist es 2016 wahr geworden: mit der Reform des Sexualstrafrechts
wurde ein Paradigmenwechsel eingeleitet und alle nicht einvernehmlich sexuellen Handlungen unter Strafe gestellt. Bleibt die Frage, wie diese grundlegende Reform in der Praxis umgesetzt wird, wie es gelingt, das Recht der Frauen zu  etablieren. Gesetzliche Regelungen sind ein wichtiges Signal, wenn es um die Bewertung
der sexuellen Selbstbestimmung geht. Dem gegenüber stehen jedoch sehr alte und auch hartnäckige gesellschaftliche Vorstellungen über sexualisierte Gewalt, über Täter und Opfer.
Wie kann die Reform in der Gesellschaft ankommen? Was bewirken Gesetzesänderungen im Hinblick auf gesellschaftliche Mythen?


PROGRAMM


13.30 Uhr

Ankommen
14.00 Uhr

Begrüßung der Veranstalterinnen
Grußwort Gisela Bill, Vorsitzende Landesfrauenbeirat 
Grußwort Alrun Schleiff, Geschäftsführerin der Heinrich Böll Stiftung Rheinland-Pfalz
14.30 Uhr

Wie wird das neue Recht in der Praxis umgesetzt?
Wo sind möglicherweise Hürden und Stolperfallen?
Was hat sich für betroffene Frauen in der Praxis verändert?
Vortrag Christine Clemm
Fachanwältin für Strafrecht, Berlin
16.00 Uhr

„Ja heißt ja! Vom Papier in die Köpfe“
Podiumsgespräch mit Christine Clemm, Gisela Bill, Angela Seip PORìn (Dozentin an
 der Hochschule der Polizei Rheinland-Pfalz), Anette Diehl (LAG der Frauennotrufe RLP)
17.00 Uhr

Ende der Veranstaltung

Veranstalterin: Landesarbeitsgemeinschaft der Frauennotrufe Rheinland-Pfalz
Kooperation:
Referentin:
Christine Clemm
Fachanwältin für Strafrecht Berlin
Moderation:
Mareike Ott
LAG der Frauennotrufe Rheinland-Pfalz

ANMELDUNG

Anmeldung erforderlich bis 09. Oktober 2018

unter buero@frauennotruf-mainz.de oder

Frauennotruf Mainz e.V.
Fachstelle zum Thema Sexualisierte Gewalt

Kaiserstr. 59 — 61

55116 Mainz
 

Flyer und Anmeldung

 

 

Malu Dreyer zu Gast in Worms

 

Ministerpräsidentin informiert sich mit dem SI Club Worms über Arbeit des Frauennotrufs

WORMS, 9. Juli 2018 – Ministerpräsidentin Malu Dreyer hat im Rahmen ihrer Sommerreise 2018 durch Rheinland-Pfalz am 9. Juli 2018 Zwischenstopp in Worms gemacht. Bei ihrem Halt in der Nibelungenstadt hat sie auf Einladung des Soroptimist Club Worms das Warbede Frauenzentrum e.V. besucht und sich über die Arbeit des Frauennotrufs -Fachstelle gegen sexualisierte Gewalt informiert.

 

Soroptimist International Club Worms unterstützt den Frauennotruf seit langem mit verschiedenen Aktionen und Geldspenden. Soroptimist International (SI) ist eine der weltweit größten Service-Organisationen berufstätiger Frauen. „Wir vertreten die Position der Frauen in der öffentlichen Diskussion und machen uns stark für die Rechte der Frauen. Sexualisierte Gewalt darf keinen Platz in unserer Gesellschaft haben“, erklärte die SI Deutschland Präsidentin Gabriele Zorn bei dem Termin im Frauenzentrum. „Ich freue mich, dass die Soroptimistinnen in Worms und das Frauenzentrum hinter den Frauen stehen, die unsere Unterstützung dringend brauchen. Denn wir können vor allem dann wichtige Fortschritte bei der Gleichstellung von Frauen erzielen, wenn Politik, Frauenorganisationen und alle gesellschaftlichen Kräfte gemeinsam an einem Strang ziehen“, erklärte die Ministerpräsidentin.

 

„Mit Ministerpräsidentin Malu Dreyer haben wir eine Frau zu Gast im Frauenzentrum, die sich immer wieder engagiert zu Themen wie sexualisierte Gewalt und Gleichstellung zu Wort meldet“, so Susanne Hamann-Krämer, Vorstandsfrau des Warbede Frauenzentrum e.V., „dies stärkt uns in der Arbeit sehr“.

 

Anschließend an das Gespräch im Frauennotruf informierte die Ministerpräsidentin sich im Klinikum Worms über das Modellprojekt „Medizinische Soforthilfe nach Vergewaltigung“, das im März 2018 in Worms gestartet ist und Frauen, die Opfer einer Vergewaltigung geworden sind, Zugang zu bestmöglicher medizinischer Versorgung ermöglicht – unabhängig von der Bereitschaft eine Anzeige zu erstatten.

 

Initiiert wurde das Projekt zur medizinischen Soforthilfe vom Frauennotruf Worms in Kooperation mit dem Wormser Klinikum. „Viele Frauen, die Opfer einer Vergewaltigung geworden sind, suchen in dieser Ausnahmesituation keinen Arzt auf und nehmen häufig erst spät oder gar keinen Kontakt zu einer Beratungsstelle auf. Aus Scham oder aus der Angst heraus, dass über ihren Kopf hinweg eine Anzeige erstattet wird, bleiben sie nicht nur medizinisch unterversorgt, sondern sind auch mit ihren Sorgen und Ängsten alleine. Hier möchten wir helfen“, erklärt Regina Mayer vom Frauennotruf.

 

Betroffene Frauen haben daher seit Anfang des Jahres die Möglichkeit, sich vollkommen unabhängig von einer möglichen Anzeigenerstattung im Klinikum Worms und vollkommen vertraulich versorgen zu lassen. Da bisher kein standardisiertes Verfahren existierte, haben sich viele Patientinnen und Patienten ausschließlich im Rahmen der forensischen Beweissicherung und somit in Zusammenhang mit einer Anzeigenerstattung an das Klinikum gewandt. Dies ist jetzt anders: „Patientinnen aber auch Patienten, denen sexuelle Gewalt angetan wurde, finden in unserem Klinikum eine Anlaufstelle, die zum einen den Zugang zu adäquater medizinischer Versorgung ermöglicht, zum anderen aber auch den Kontakt zu Hilfs- und Weiterbetreuungsangeboten herstellen kann“, so Prof. Dr. Thomas Hitschold, Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe des Klinikums.

 

Erst in einem zweiten Schritt wird mit den Patientinnen besprochen, ob vorsorglich eine Beweissicherung erfolgen soll, erklärt Regina Mayer: „Wenn die Betroffene dies wünscht, werden die forensischen Spuren anschließend ins Institut für Rechtsmedizin der Universität Mainz gebracht und dort ein Jahr lang sicher verwahrt. Die Frauen haben so die Möglichkeit, sich auch zu einem späteren Zeitpunkt noch für eine Anzeigenerstattung zu entscheiden.“

 

Das Projekt „Medizinische Soforthilfe nach Vergewaltigung“ wurde erstmals im Jahr 2013 vom Frauennotruf Frankfurt am Main gestartet. Im Rahmen von zwei Pilotprojekten sind Anfang 2018 die Städte Worms und Mainz gefolgt. „Das Projekt schließt eine erhebliche Lücke in der Versorgung von Frauen, Mädchen und auch Männern, die Opfer sexualisierter Gewalt geworden sind. Wir können damit Betroffene in Krisensituationen deutlich besser unterstützen als bisher und deshalb bin ich froh, dass sich unser Klinikum an dem Projekt beteiligt", betont der Wormser Oberbürgermeister und Aufsichtsratsvorsitzender des Klinikums, Michael Kissel.

 

Finanziert wird das Vorhaben vor allem vom rheinland-pfälzischen Ministerium für Familien, Frauen, Jugend, Integration und Verbraucherschutz.

 

Prof. Hitschold wies auf die weiteren Aktivitäten für Frauen und Kinder des Wormser Klinikums hin. Hier ist natürlich als erstes der Neubau des Mutter-Kind-Zentrums zu nennen, der im nächsten Jahr fertig gestellt sein wird und optimale Bedingungen für die perinatologische Arbeit bietet, aber auch die schon vor Jahren erfolgte Zertifizierung als „Babyfreundliche Geburtsklinik“ nach den Kriterien der WHO/Unicef, das Zertifikat „Ausgezeichnet für Kinder“, das unlängst erneut für die Kinderklinik ausgestellt wurde sowie die onkologischen Projekte in den zertifizierten Zentren für Brustkrebs und gynäkologische Malignome. Das Projekt „Guter Start ins Kinderleben“ wird von der Geburts- und Kinderklinik gemeinsam betreut und trägt dazu bei, den Neugeborenen einen optimalen Start ins Leben zu ermöglichen, indem bestimmte Risiken und Schwierigkeiten frühzeitig erkannt und die entsprechende Hilfe noch während des Klinikaufenthaltes initiiert werden kann.

 

Sitzend von links nach rechts:  Gabriele Zorn (Präsidentin SI Deutschland), Kathrin Anklam-Trapp, Brigitte Oßwald (Präsidentin SI Worms), Malu Dreyer MP RLP, Susanne Hamann-Krämer (Vorstand Warbede Frauenzentrum Worms e.V.)

Stehend von links nach rechtsBarbara Meyer, Alexandra Fischer, Karin Schey Karin Schey, Annette Hölter,Annika Arndt, Juliane Boscheinen, Isabella, Angelika Feils, Sabine Holz Clara Best, Regina Mayer, Anne Dorrhöfer
Foto: Karin Flesner

 

 

Pressemitteilung

 

 

Fortbildung für Lehrkräfte und Schulsozialarbeit
Umgang mit sexuellen Übergriffen in der Schule

 

Zielgruppe: Fachkräfte der Sekundarstufe I an Schulen, ab der 6. Klasse
TN – Zahl: 8 - 12 Teilnehmerinnen und Teilnehmer
Umfang: 09.30 – 16.00 Uhr


Das Thema „Sexuelle Übergriffe“ ist ein viel diskutiertes gesellschaftliches Thema. Der
Umgang mit sexualisierten Grenzverletzungen, sexueller Belästigung aber auch mit dem
Thema sexuelle Gewalt fällt im Schulalltag fällt oft nicht leicht.
Die Fortbildung soll dazu beitragen, dass Lehrkräfte, Schulsozialarbeiter/innen und alle die
im schulischen Alltag mit dem Themenkomplex „Sexualisierte Gewalt – sexuelle
Grenzverletzungen“ zu tun haben, sich im geschützten Rahmen auseinandersetzen können
und Sicherheit gewinnen. Wesentliche Intention ist es, auf der Basis von grundlegenden
Informationen zum Themenbereich bei den Teilnehmenden einen Auseinandersetzungsprozess
in Gang zu setzen, der dazu beiträgt, eine eigene und klare Haltung zu Sexualisierter
Gewalt zu entwickeln. Ziele der Fortbildung sind dabei u. a.:

  • Erkennen der eigenen Einstellungen, Vorurteile und Kompetenzen.
  •  Wahrnehmung und Reflexion der verinnerlichten Bilder zum Thema Sexualisierte
    Gewalt und sexuelle Grenzverletzungen.
  • Sensibilisierung für Gefühle und Handlungsweisen von Betroffenen, für mögliche
    Folgen sexualisierter Übergriffe sowie für deren Ressourcen.
  • Erkennen von Geschlechtsstereotypen und Rollenzuschreibungen.
  • Erkennen der individuellen Grenzen und der Grenzen des eigenen beruflichen
    Handelns durch vorgegebene Rahmenbedingungen sowie Erlernen von
    Möglichkeiten des Selbstschutzes.
  • Praxisbezogene Arbeit anhand von Fallbeispielen

Grundlegendes Ziel der Fortbildung ist die Herstellung von Handlungskompetenzen im
Sinne eines sensiblen, vorurteilsfreien und angemessenen Umgangs mit betroffenen
Mädchen und Jungen.


Die Fortbildung wird gefördert vom Ministerium für Bildung. Rheinland-Pfalz

 

Sexualisierte Gewalt als medizinischer Notfall

Start des Modellprojekts zu gesundheitlicher Versorgung nach einer Vergewaltigung am Klinikum Worms

 

WORMS. Frauen, die Opfer einer Vergewaltigung werden, bleiben meist medizinisch unterversorgt weil sie sich schämen oder befürchten, dass über ihren Kopf hinweg Anzeige erstattet wird. Dadurch bleiben Sie allein mit der Sorge um ihre Gesundheit und finden erst spät den Weg zu Fachberatungsstellen, die sie dabei unterstützen, ihre Situation zu klären und mit dem Erlebten umzugehen.

 

Das Modellprojekt „Medizinische Soforthilfe nach Vergewaltigung“, das heute in Worms startet, möchte diese Situation verändern und hat sich zum Ziel gesetzt allen Opfern einer Vergewaltigung Zugang zur bestmöglichen medizinischen Versorgung zu gewähren – unabhängig von der Bereitschaft Anzeige zu erstatten.

 

Gemeinsam mit dem Klinikum Worms hat der Frauennotruf Worms als Trägerin des Projekts ein Konzept übernommen, das der Frauennotruf Frankfurt mit vielen KooperationspartnerInnen in und außerhalb Frankfurts  2013 entwickelt hat. Finanziert wird das Vorhaben vor allem vom rheinland-pfälzischen Ministerium für Familien, Frauen, Jugend, Integration und Verbraucherschutz, das Worms neben Mainz als einen von zwei Modellstandorten in Rheinland-Pfalz ausgewählt hat.

 

„Menschen, die eine Vergewaltigung erlebt haben, sind nicht nur Zeugen einer Straftat, sondern in erster Linie Patientinnen und Patienten. Als Klinikum ist es daher unsere gesellschaftliche Verantwortung, die Betroffenen adäquat medizinisch zu versorgen. Dabei kann ein standardisiertes Verfahren nur helfen“, erklärt Prof. Dr. Thomas Hitschold, Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe des Klinikums, die Motivation sich an dem Projekt zu beteiligen.

 

„Die meisten Frauen, denen sexuelle Gewalt angetan wurde, haben unmittelbar nach dem Ereignis aufgrund der emotional belastenden Situation das Bedürfnis nach einer zuverlässigen Anlaufstelle, bei der sie sowohl medizinische Hilfe als auch Kontaktinformationen für die Weiterbetreuung erhalten. Das Projekt bietet durch den Zugriff auf umfassendes Informations- und Untersuchungsmaterialien auch uns Ärzten und Ärztinnen Hilfestellung, diese Frauen umfassend versorgen zu können", erläutert Frau Dr. Angelika Matich, projektverantwortliche Oberärztin der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe, weiter.

 

„Betroffene können sich nach einer Vergewaltigung an das örtliche Klinikum wenden, werden dort medizinisch versorgt und bekommen Informationen zu Unterstützungs- und Beratungsangeboten. Erst im zweiten Schritt wird mit den Frauen geklärt, ob sie an einer Spurensicherung interessiert sind. Willigt die Patientin ein, werden die gesicherten Spuren ins Institut für Rechtsmedizin gebracht und dort für ein Jahr gelagert, um im Fall einer Anzeigenerstattung verwendet werden zu können“, ergänzt Regina Mayer vom Frauennotruf Worms das Prozedere.

 

Neben entsprechenden Schulungen und Sensibilisierungsmaßnahmen für Ärztinnen und Ärzte geht es nun vor allem darum das Angebot bekannt zu machen, um möglichst viele Betroffene zu erreichen.

 

„Durch Öffentlichkeitsarbeit, die Auslage von Materialien bei Beratungsstellen, niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten und bei weiteren öffentlichen Stellen und die Plakatierung von Werbeflächen möchten wir zukünftig auf die Möglichkeit medizinischer Versorgung hinweisen und damit vor allem die Frauen ansprechen, die eine Anzeigenerstattung scheuen oder sich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht abschließend entscheiden möchten“, erklärt Jasmine Olbort, die als Gleichstellungsbeauftragte das Projekt ebenfalls begleitet.

 

Notwendig für den Erfolg des Projektes sei ein breites gesellschaftliches Bündnis, hier sind sich alle Beteiligten einig. „Bei der bisherigen guten Netzwerkarbeit, die im Bereich Gewalt gegen Frauen in Worms geleistet wurde, bin ich allerdings zuversichtlich, dass wir viele Menschen erreichen und so langfristig die Strukturen für von sexualisierter gewaltbetroffene Frauen verbessern werden“, ist sich Regina Mayer sicher.

 

Pressemitteilung

 

LAG Frauennotrufe RLP und bff: #MeToo – Zeit, Verantwortung zu übernehmen
Für ein strukturiertes Vorgehen gegen Sexuelle Gewalt am Arbeitsplatz

 

Gemeinsam mit dem Bundesverband der Frauennotrufe und Frauenberatungsstellen (bff) macht die Landesarbeitsgemeinschaft LAG der Frauennotrufe in Rheinland Pfalz deutlich: „Öffentlichkeit ist wichtig, wenn es darum geht sexuelle Gewalt gegen Frauen und Mädchen zu thematisieren. Immer noch werden die Gewalt und ihre Folgen verschwiegen oder bagatellisiert, werden Täter gedeckt. #MeToo schafft noch immer Aufmerksamkeit für die sexuellen Übergriffe und Gewalt, die viele Frauen erfahren. Wir als Fachverband freuen uns über diese mediale Präsenz des Themas. Das Ausmaß der Gewalt und die Machtdynamiken dahinter sind nicht neu. Aber die öffentliche Debatte darüber ist es,“ so Katja Grieger, Leiterin des bff.
Laut Studien erleben 60% aller Frauen in Deutschland sexuelle Belästigung, viele davon am Arbeitsplatz. Anette Diehl weiß aus der langjährigen Praxis: „Führungskräfte haben eine Schlüsselrolle beim Thema sexuelle Diskriminierung und Belästigung am Arbeitsplatz. Es braucht eine klare Haltung der Unternehmensleitung hierzu. Insbesondere Vorgesetzte müssen Verantwortung übernehmen.“ Gleichzeitig braucht es eine gute Vorgehensweise, wie bei Vorfällen sexueller Belästigung gehandelt wird und ganz wichtig, so Diehl: „Die muss für alle transparent sein!“ Das Allegmeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) schreibt zusätzlich präventive Maßnahmen und Beschwerdestellen mit geschulten Ansprechpersonen vor. Betroffene müssen wissen, wo sie professionelle Unterstützung finden.
Zurzeit gibt es viele Anfragen zu Fortbildungen im Bereich „Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz“ an die zwölf Fachstellen zum Thema Sexualisierte Gewalt in Rheinland Pfalz. „Das freut uns, weil es zeigt, dass Verwaltungen, Betriebe, Geschäftsführungen endlich Verantwortung übernehmen wollen,“ so die Mitarbeiterinnen der Frauennotrufe.
Das Thema gehört auch auf die politische Agenda. Damit klargestellt wird, dass der Schutz vor sexueller Gewalt am Arbeitsplatz keine freiwillige Leistung, sondern Pflicht der Arbeitgeber_innen ist, und damit die notwendigen Ressourcen bereitgestellt werden. „Das AGG muss endlich umgesetzt werden. Politische Haltung ist auch gefragt, damit das Thema sexuelle Gewalt nicht von rechts vereinnahmt und für eine rassistische Agenda genutzt wird,“ betonen die Fachfrauen.
Katja Grieger vom bff: „Wir wünschen uns, dass es ein Ergebnis der #MeToo-Debatte ist, dass möglichst Viele Verantwortung übernehmen und sich strukturiert auf den Weg machen, gegen Gewalt am Arbeitsplatz vorzugehen. Das Thema auf diese Weise anzugehen ist zwar nicht so schillernd wie die öffentliche Debatte es in Teilen ist. Aber es ist hilfreich.“
Für die LAG: Anette Diehl, Frauennotruf Mainz e.V. - Fachstelle zum Thema Sexualisierte Gewalt
Koordinierungsstelle der Landesarbeitsgemeinschaft (LAG)

Pressemitteilung

 

„Papiertiger oder Löwenmutter - Rheinland-Pfälzische Frauennotrufe diskutieren über Chancen der Istanbul-Konvention


Anlässlich ihres Fachtages zur Istanbul-Konvention begrüßen die Frauennotrufe in Rheinland-Pfalz das Übereinkommens des Europarats zur Verhütung und zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häusliche Gewalt und die darin geforderte verstärkte Bekämpfung und Prävention sexualisierter sowie anderer Formen geschlechtsspezifischer Gewalt.
„Für uns ist die Istanbul-Konvention ein Meilenstein zur Bekämpfung sexualisierter Gewalt und ande-rer Formen geschlechtsspezifischer Gewalt: Mit diesem umfassenden, internationalen Abkommen wird Gewalt gegen Frauen – insbesondere auch sexualisierte Gewalt und sexuelle Belästigung - als das anerkannt, was es ist: eine Form von Menschenrechtsverletzung und Diskriminierung“ erläutert Astrid Rund vom Frauennotruf im Rhein-Hunsrück-Kreis.
Die in der vergangenen Woche in Kraft getretene Konvention verlangt eine aktive Politik gegen
Diskriminierung von Frauen, um geschlechtsspezifische Gewalt zu bekämpfen und schreibt u.a. in Artikel 22 fest, dass es für alle Betroffenen von geschlechtsspezifischer Gewalt spezialisierte Hilfen geben muss, die gut erreichbar und mit angemessenen Ressourcen ausgestattet sind.
Dazu gehören die spezialisierten Fachberatungsstellen für gewaltbetroffene Frauen und Mädchen.
Als Dachverband sieht auch der Bundesverband der Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe (bff) hier großen Handlungsbedarf. Vor allem im ländlichen Raum fehlen Fachberatungsstellen, an die Betroffene sich wenden können. Viele Fachberatungsstellen sind nicht barrierefrei und sie müssen ihre Sprechzeiten beschränken. Die Finanzierung der Fachberatungsstellen wird meist im Rahmen nicht abgesicherter sogenannter ‚freiwilliger Leistungen‘ von Ländern und Kommunen gestellt, die stetig neu beantragt werden müssen.
„Die Anfragen an die Fachberatungsstellen nehmen kontinuierlich zu – von Betroffenen, Fachkräften oder Angehörigen. Das spricht für den Erfolg unserer Arbeit, bringt uns aber in schwierige Situatio-nen. Jetzt, da die Istanbul-Konvention geltendes Recht ist, muss mehr Geld ins System.“, so Katja Grieger vom bff.
Die Landesarbeitsgemeinschaft der Frauennotrufe in Rheinland-Pfalz hält zusammen mit dem Bun-desverband für die Umsetzung der Konvention eine politische Gesamtstrategie für zentral, denn die Beendigung geschlechtsspezifischer Gewalt ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.
Aus diesem Grund widmete das Gremium der zwölf Fachstellen in Rheinland Pfalz seinen Fachtag diesem Thema gemeinsam mit der Expertin des Europarates Karin Heisecke.
„Wir müssen auf Bundes- und Landesebene Strategien entwickeln und umsetzen, sowie auch die kommunale Ebene einbeziehen.

Nur so können wir dafür sorgen, dass die Konvention kein Papiertiger bleibt, sondern zum Schutz für gewaltbetroffene Frauen weltweit zur „Löwenmutter“ wird“,

sind sich die rheinland-pfälzischen Fachfrauen einig. „In der Bekämpfung geschlechtsspezifischer Gewalt darf es jetzt keine Rückschritte mehr geben, aber auch ein „Weiter so“ reicht nicht aus!“

 

 

 

 

 

Pressemitteilung


Sicher feiern - Frauennotruf Worms warnt vor K.O.-Tropfen beim Fasching

 

Die fünfte Jahreszeit wird auch in Worms mit tollen Kostümen und stimmungsvoller Karnelvalsmusik gefeiert. Bei dem bunten Faschingstreiben wird das ein oder andere Gläschen in geselliger Runde getrunken, die dazu verleitet, nicht auf das eigene Getränk zu achten. Diese entspannte Atmosphäre wird immer wieder ausgenutzt, um K.O.-Tropfen in Getränke zu mischen.

 

Sogenannte K.O.-Tropfen sind unterschiedliche farb, geruchs- und geschmacklose Flüssigkeiten, die auch auf Festen oder Partys leicht in Getränke gemischt werden können, ohne dass die Betroffenen dies merken. Die Substanzen wirken einschläfernd und muskelentspannend, aber auch euphorisierend. Ihre Wirkung tritt rasch ein und hält einige Stunden an. Die Mittel werden immer häufiger eingesetzt, um Frauen in einen willenlosen und handlungsunfähigen Zustand zu versetzen, in dem sie vergewaltigt oder ausgeraubt werden. Am nächsten Tag können sich Opfer meist schlecht erinnern und sind stark verunsichert, was mit ihnen geschehen ist. Sie leiden unter Kopfschmerzen, Schwindel und Übelkeit.

 

„Wer trotz geringer Alkoholmengen bei sich einen „Filmriss“ bemerkt, kann sich an den Frauennotruf als Fachberatungsstelle wenden,“ erklärt Regina Mayer vom Frauennotruf, „zwar sind viele Substanzen nur kurze Zeit nachweisbar, aber auch längere Zeit nach dem Vorfall kann eine Beratungsgespräch sehr hilfreich für die Verarbeitung sein.

 

„Natürlich soll beim Fasching gefeiert und gelacht werden,“ betonen die Mitarbeiterinnen des Frauennotrufs Worms. „Dennoch ist es gut nicht nur auf das eigene Glas, sondern auch auf Freundinnen und Freude zu achten. Kümmern Sie sich um Freundinnen und Freunde, wenn diese sich plötzlich merkwürdig verhalten oder (anscheinend) zuviel getrunken haben. “
Die Fachstelle hatte schon mehrfach mit Postkarten und Flyern auf die Gefahr von K.O.Tropfen> aufmerksam gemacht. Bei Interesse können Faschingsveranstalter gerne Informationsmaterial anfordern.

 

Verantwortlich für die Pressemitteilung
Annette Hölter

 

http://frauenzentrumworms.de/index.php?id=ko-tropfen

 

 

 


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